Installation

Das einzige, das im alltäglichen Umgang mit einem Linuxsystem wirklich etwas Ahnung erfordert, ist die Installation. Hier müssen je nach Situation einige Schritte durchgeführt werden, die im Folgenden erklärt werden. Weiter unten findest du noch eine ausführliche Übersicht zu (fast) allen möglichen Eventualitäten.

Warnung! Die folgenden Tipps sollen dich bei der Installation unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Ein unvorsichtiges Ändern von Partitionen und Bootmenü-Einstellungen kann unter Umständen jedoch dazu führen, dass das bisherige Betriebssystem nicht mehr startet oder Daten verloren gehen. Erstelle daher dringend eine Sicherheitskopie deiner Daten, bevor du Änderungen an den Partitionen oder dem Bootmenü durchführst. Wir können keinerlei Haftung für Datenverlust oder sonstige Schäden übernehmen.

Vorbereitungen

Das Folgende solltest du zur Hand haben, um Linux auf deinem Rechner zu installieren:

Nimm dir außerdem etwas Zeit für deine erste Linux-Installation. Falls du die Tipps hier befolgst, sollte es im Normalfall nicht zu lange dauern, aber abhängig von deiner Rechnerhardware kann auch das ein oder andere Problem auftreten.

Auf dieser Seite beschreiben wir die Vorgehensweise für handelsübliche PCs und Notebooks (z.B. von Acer, Asus, Dell, HP, Lenovo, Samsung, Toshiba, ...); andere Rechner wie Macbooks oder Tablet-PCs werden hier nicht unterstützt.
Ein vorinstalliertes Betriebssystem auf dem Rechner (meistens Windows) ist normalerweise kein Problem – dieses kann je nach Bedarf beibehalten oder überschrieben werden.

Platz schaffen

Essentiell für die Installation eines zusätzlichen Betriebssystems ist die Bereitstellung von ausreichend viel Speicherplatz. Dabei ist vor allem folgende wichtige Fallunterscheidung zu treffen:

Partitionierung eines Systems. V.l.n.r.: Boot-Partition, Root-Partition von Antergos, Swap-Partition, Root-Partition von openSUSE, unallokierter (freier) Speicher

Die Partitionierung einer Festplatte kann man sich vorstellen als einen langen Block von links nach rechts, der in verschieden große Einheiten, die Partitionen, eingeteilt ist. Jede dieser Partitionen hat einen Namen und auch einen bestimmten Zweck. Wenn einem Teil der Festplatte keine Partition zugewiesen ist, ist der Speicher frei und kann nach Belieben neu zugeteilt werden. Ein solcher freier Speicher muss vorhanden sein, sofern ein Betriebssystem nicht-destruktiv hinzuinstalliert werden soll.

Auf Windows existiert ein Partitionierungstool, das das Bearbeiten (also auch das Verkleinern und Löschen) von Partitionen ermöglicht; jedoch sind hier die Funktionen für die Platten, die im Moment verwendet werden (insbesondere also die Systempartitionen wie C:/) sehr eingeschränkt. Muss eine Systempartition verkleinert werden, um Linux installieren zu können, so kann dies nicht unmittelbar unter Windows geschehen, sondern muss mithilfe eines anderen Systems, etwa durch ein Live-Medium erfolgen. Hier erstellt man sich wie unter Installationsdatei und USB-Stick beschrieben ein bootfähiges Medium, allerdings mit der GPartEd Live Distribution. Diese erlaubt ohne jegliche Installation, die Partitionen mithilfe des grafischen Tools GPartEd (Gnome Partition Editor) ohne Einschränkung zu bearbeiten.

Installationsdatei und USB-Stick

Für die Installation muss ein Abbild heruntergeladen werden, das dem zu installierenden Betriebssystem entspricht. Ein solches Abbild (.iso-Datei) lässt sich von der Homepage der gewünschten Distribution herunterladen. Es sind meist Abbilder für unterschiedliche Rechnerarchitekturen vorhanden; die meisten modernen Rechner haben eine 64-Bit Architektur (auch als x86_64 oder amd64 bezeichnet), während einige ältere PCs noch unter 32-Bit laufen (auch als x86 oder i386 bezeichnet).

Teilweise werden verschiedene Arten von Abbildern angeboten, die beispielsweise möglichst klein sind und den Großteil der Installationsdaten aus dem Internet beziehen. Für den gewöhnlichen Anwendungsfall kann hier die Standardversion des Abbilds ausgewählt werden.

Ist die .iso-Datei heruntergeladen (diese hat im Normalfall einen Umfang von einigen Gigabytes), muss sie auf einen USB-Stick "gebrannt" werden. Diese Bezeichnung verwendet man noch, da zuvor CDs oder DVDs die verbreiteten bootfähigen Datenträger waren; tatsächlich werden nur die Daten aus dem Abbild Byte für Byte auf den Stick geschrieben. Dies kann auf Windows mit dem Tool Rufus bewerkstelligt werden.

BIOS und UEFI

Wenn der Rechner hochfährt, wird zunächst eine minimale Software gestartet, die die absolut grundlegenden Funktionen des Rechners bereitstellt (so etwa die Eingabe per Tastatur und die Anzeige von Elementen auf dem Monitor). Dabei unterscheidet man heute zwischen den Technologien BIOS und UEFI. Folgendes sollte man darüber wissen:

Wie finde ich heraus, ob mein Betriebssystem mit UEFI oder BIOS hochfährt?

Unter Windows lässt sich aus der Systeminfo herauslesen, womit gebootet wurde. Durch Ausführen des Befehls MSINFO32 (etwa durch die Eingabeaufforderung) erscheint ein Fenster. Dort navigiert man zu System Summary und anschließend zu BIOS Mode. Dort steht dann entweder UEFI oder etwas anderes wie Legacy oder CSM, was dann BIOS entspricht.

Auf Linux kann man das Kommando dmesg|grep efi: ausführen und überprüfen, ob eine Zeile der Bauart

[ 0.000000] efi: EFI v2.31 by American Megatrends

vorliegt. Falls ja, wird per UEFI gebootet.[Quelle]

Das Bootmenü

Je nach Hersteller lässt sich unmittelbar nach dem Einschalten des Rechners durch das Drücken einer bestimmten Taste, die wir Boot Key nennen, das Boot-Menü (auch: BIOS-Menü, Setup Utility etc.) öffnen. In dieser textbasierten Umgebung lassen sich Einstellungen vornehmen, die bestimmen, wie und an welchen Stellen der Rechner beim Einschalten nach möglichen Betriebssystemen schauen soll, und in welcher Reihenfolge. Hier muss unter Umständen das ein oder andere verändert werden, um Linux installieren zu können.

Wie finde ich den Boot Key heraus?

Es gibt ganz unterschiedliche Tasten hierfür, etwa Esc oder eine der F1-F12 Tasten. Eine kurze Internetsuche nach boot key [Bezeichnung] sollte schnell zum Erfolg führen, wobei du in der Bezeichnung den Hersteller sowie die spezifische Bezeichnung des Geräts angibst (z.B. Asus K53SV).

Welche Einstellungen muss ich vornehmen?

Die Boot-Reihenfolge legt fest, welche Schnittstelle beim Hochfahren priorisiert wird. Vereinfacht kann das so aussehen:

  1. Festplatte
  2. USB-Stick
  3. DVD-Laufwerk

Es wird also zunächst auf der Festplatte nach einem bootfähigen System gesucht. Wird dort nichts gefunden, wird als nächstes nach bootfähigen USB-Sticks gesucht, und falls auch dies erfolglos verläuft, wird das DVD-Laufwerk betrachtet. (Normalerweise haben die Einträge etwas kryptischere Namen, die aber stets den Herstellernamen des entsprechenden Geräts enthalten.)
Für die Installation eines Betriebssystems per USB-Stick sollte die Boot-Reihenfolge den USB-Stick bevorzugen; in der entsprechenden Liste tauschst du also die Einträge wie folgt:

  1. USB-Stick
  2. Festplatte
  3. DVD-Laufwerk

Alternativ zur Änderung der Bootreihenfolge kann beim Hochfahren durch einen bestimmten Tastendruck normalerweise auch das zu bootende Gerät nur für diesen einen Start ausgewählt werden.

Als nächstes sollte der Modus Secure Boot abgeschalten werden (meist in einem Unterfenster namens Security). Viele Linux-Distributionen werden dadurch blockiert. Solange dein Rechner nicht physisch in die falschen Hände gerät, stellt das abgeschaltete Secure Boot auch kein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar (insbesondere, wenn kein Boot-Passwort gesetzt wurde).
Falls vorhanden, ist auch der Modus Fast Boot abzuschalten.

Und zuletzt sollte darauf geachtet werden, dass der USB-Stick auf die korrekte Weise gebootet wird. Falls bereits ein Betriebssystem vorhanden ist (und das auch bleiben soll), muss der USB-Stick im selben Modus gebootet werden wie das vorhandene Betriebssystem (siehe BIOS und UEFI). Falls UEFI vorliegt, kann der Modus Legacy oder CSM ausgeschalten werden, um ein versehentliches Booten per UEFI zu verhindern. Falls per Legacy/CSM gebootet wird, muss dieser Modus logischerweise angeschalten sein und es sollte darauf geachtet werden, dass der ausgewählte Booteintrag des USB-Sticks kein UEFI im Namen trägt. Einige Boot-Menüs haben auch die Einstellungsmöglichkeit, Legacy- oder UEFI-Geräte entsprechend zu priorisieren.

Übersicht

Die folgende Grafik führt dich durch den vollständigen installationsprozess und beachtet dabei viele Eventualitäten, die auf einem Desktop-Rechner oder Notebook mit oder ohne vorhandenem Betriebssystem auftreten können. Du musst nicht notwendigerweise alle der Schritte durchführen, doch wenn du sie beachtest, solltest du dich auf der sicheren Seite befinden.

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© Patrick Hegemann, Dominik Schreiber 2016. eMail: info [at] lernux.de